Der Rattenfänger von Hameln – Märchen zum Einschlafen (8 Min.)

Shownotes

Der Rattenfänger von Hameln – Märchen zum Vorlesen, 10 Minuten, gelesen von Irene. Für Kinder ab etwa drei Jahren, mit einem ruhigen Schluss, der ins Bett führt.

Den Text zum Mitlesen und als PDF zum Ausdrucken gibt es kostenlos auf emhema.de: https://emhema.de/blogs/marchen/der-rattenfanger-von-hameln

Gute-Nacht-Geschichten von EmHeMa – geschrieben von einer Familie aus Osnabrück.

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00:00:00: Gute Nachtgeschichten von M. Hemmer, heute der Rattenfänger von Hameln.

00:00:07: Vor sehr langer Zeit lag an der Weser eine Stadt namens Hameln.

00:00:12: Es war eine reiche Stadt.

00:00:13: In den Speichern lag Korn bis unter das Dach.

00:00:16: Auf dem Markt wurde gehandelt und in Leuten ging es gut.

00:00:20: Dann kamen die Ratten.

00:00:23: Niemand wusste woher.

00:00:25: Zuerst sah man nur eine oder zwei am Ufer dann waren es zehn.

00:00:30: Dann waren es so viele, dass man sie nicht mehr zählen konnte.

00:00:34: Sie fraßen sich durch die Kornsäcke in den Speichern.

00:00:37: Sie liefen den Katzen davon und bissen die Hunde in die Nase.

00:00:41: Sie saßen am hellen Tag auf dem Marktplatz und ließen sich nicht verscheuchen – und nachts war es am schlimmsten!

00:00:48: Dann hörte man sie in den Wänden ein rascheln und trippeln das Nicht-Aufhörte und die Kinder wollten das Licht anlassen.

00:00:56: Die Leute stellten Fallen auf.

00:00:58: Sie holten Katzen aus anderen Städten, sie streuten Gift.

00:01:02: Es half alles nichts, denn für jede Ratte die verschwand kamen zwei nach.

00:01:07: Der Rat der Stadt saß Abend-für-Abend zusammen und wusste nichts!

00:01:12: Und dann an einem Morgen im Juni stand ein Fremder auf dem Markt.

00:01:17: Er war groß und dünn und trug einen Mantel aus vielen bunten Flicken – rot und gelb und grün durcheinander.

00:01:24: Weshalb nannten ihn die Leute später den Bunting?

00:01:27: Dem Bund gekleideten.

00:01:29: An seinem Gürtel hing eine Flöte.

00:01:32: Er ging geradewegs zum Rathaus, verbeugte sich vor dem Bürgermeister und sagte

00:01:37: Ich habe gehört dass ihr ein Problem mit Ratten habt.

00:01:40: ich kann euch davon befreien alle bis auf die letzte.

00:01:43: Was ist euch das wert?

00:01:45: Der Bürgemeister sah ihn an.

00:01:47: er sah den Flickenmantel an.

00:01:49: er saw die Flüte an

00:01:51: Wenn du das

00:01:52: schaffst!

00:01:53: sagte er.

00:01:54: Da kommst du tausend gulden.

00:01:56: Tausend Gulden waren mehr Geld als in der ganzen Stadtkasse lag.

00:02:01: Aber der Bürgermeister sagte es trotzdem, denn er glaubte kein Wort.

00:02:05: Abgemacht!

00:02:07: sagte der Fremde.

00:02:08: Die Radsherren nickten Ein paar lachten.

00:02:12: Einer sagte hinterher Für tausend gulden würde er selbst pfeifen.

00:02:17: Der Fremd ging hinaus auf die Straße stellte sich in die Mitte hobt die Flöte an die Lippen und fing an zu spielen.

00:02:26: Es war keine Melodie, die jemand kannte.

00:02:29: Sie war leise und hell... ...und sie ging weiter ohne zu einem Ende zu kommen.

00:02:34: Zuerst geschah nicht!

00:02:37: Dann kam ein Rascheln aus den Häusern.

00:02:39: Erst kamen sie einzeln, dann zu zweit und zu dritt.

00:02:43: Dann strömten sie aus jeder Tür, aus jedem Keller, aus jedem Loch in der Mauer.

00:02:49: Große und kleine, magere und dicke, braune und graue und schwarze.

00:02:55: Sie kamen aus den Speichern, aus den Stellen, aus dem Kirchen und aus den Betten in denen sie sich eingenistet hatten.

00:03:02: Und alle liefen auf den Mann im bunten Mantel zu.

00:03:06: Der aber ging langsam weiter Immer weiter ohne sich umzudrehen und spielte dabei ohne Pause.

00:03:14: Er ging durch die Bäckerstraße an der Kirche vorbei Durch das Wesertor und hinter ihm her rauschte es wie ein Fluss.

00:03:22: Die Leute standen an den Fenstern und trauten sich nicht heraus.

00:03:26: Unten am Ufer ging der Mann bis ans Wasser, und dann hinein.

00:03:31: Die Ratten gingen hinterher eine nach der anderen ohne stehen zu bleiben – bis zur letzten!

00:03:38: Und dann war es still in Hameln so still wie seit Monaten nicht mehr.

00:03:44: Am Nachmittag kam der Fremde zurück ins Rathaus klopfte an und sagte

00:03:49: Es ist erledigt meine tausend Golden.

00:03:52: Da sahen sich die Ratsherren an.

00:03:54: –

00:03:55: Tausend Gulden?

00:03:56: sagte der Bürgermeister,

00:03:58: für ein bisschen Flötenspiel sei froh wenn du fünfzig bekommst und sei still sonst bekommste gar nichts.

00:04:06: Der Fremde sagte Nichts dazu.

00:04:08: Er sah den Bürgemeister an ziemlich lange.

00:04:12: Dann drehte er sich um und ging.

00:04:15: Wenige Tage später kehrte der Rattenfänger zurück.

00:04:19: Es war der sechsunzwanzigste Juni Ein Sonntagmorgen und alle Erwachsenen saßen in der Kirche.

00:04:26: Diesmal trug er keinen bunten Mantel, sondern die Kleidung eines Jägers und einen roten Hut.

00:04:33: Er stellte sich mitten auf die Straße und spielte wieder auf seiner Flöte – aber eine andere Melodie als beim ersten Mal!

00:04:42: Da kamen die Kinder aus allen Häusern gelaufen — hundertdreißig an der Zahl.

00:04:47: Sie lachten, sie hüpften, sie hiilten sich an den Händen.

00:04:51: Der Rattenfänger ging voran, aus der Stadt hinaus durch das Ostertor und die Kinder gingen hinterher.

00:04:59: Draußen vor der Stadt liegt ein Hügel den die Leute den Kopenberg nennen.

00:05:04: Dort blieb der Zug stehen.

00:05:06: Der Berg tat sich auf, der Rattenfänger hing hinein und die kinder gingen ihm nach.

00:05:13: Dann schloss sich der berg als wäre nie etwas gewesen.

00:05:17: Als die Eltern aus der Kirche kamen war die Stadt still.

00:05:22: Kein Rufen, kein Lachen – kein einziges Kind auf der Straße!

00:05:28: Zwei Kinder aber kamen zurück.

00:05:31: Sie waren zurückgeblieben weil sie nicht so schnell laufen konnten wie die anderen.

00:05:36: Das eine von ihnen war blind Es hatte alles gehört den Weg gespürt und wusste noch wie die Luft am Berg gerochen hatte Aber es konnte niemandem zeigen wo die Stelle war.

00:05:50: Das andere Kind konnte nicht sprechen.

00:05:53: Es hätte die Stelle finden können, denn es hatte den Berg mit eigenen Augen gesehen.

00:05:58: Aber wenn die Leute es fragten, konnte es nur mit dem Finger in die Ferne zeigen und den Kopf schütteln.

00:06:05: Die Eltern liefen tagelang über den Kopenberg und suchten – sie klopften auf die Felsen!

00:06:11: Sie riefen die Namen ihrer Kinder — sie legten das Ohr an den Stein.

00:06:16: Der Berg blieb still….

00:06:18: Am Abend gingen die Mütter langsam die Straße zurück, auf der ihre Kinder am Morgen noch gelacht hatten.

00:06:25: In Hameln gibt es bis heute eine Straße durch die die Kinder damals gezogen sind.

00:06:30: Sie heißt Die Bungelosenstraße – die Straße ohne Trommel.

00:06:35: Wer dort entlang geht darf nicht singen, nicht musizieren und nicht tanzen.

00:06:41: Auch bei Hochzeiten wird der Zug still wenn er diese Straße erreicht Und fängt erst dahinter wieder an zu spielen.

00:06:48: An einem alten Haus in der Stadt steht in Steingehauen, an welchem Tag es geschah.

00:06:53: Am sechsohnzwanzigsten Juni zwölfhundert vierundachtzig und in den Büchern der Stadt schrieben die Ratsherren viele Jahre lang nicht die gewöhnliche Jahreszahl sondern zählten anders im so-und-sovielten Jahr nachdem unsere Kinder fortgegangen sind.

00:07:10: Und wenn heute jemand in Hameln fragt was hinter dem Berg liegt dann zucken die Leute mit den Schultern.

00:07:17: Manche sagen, die Kinder seien weit fort in ein anderes Land gekommen und hätten dort eine neue Stadt gebaut.

00:07:24: Sicher weiß es niemand!

00:07:26: Nur eines weiss jeder in Hameln – Ein Versprechen hält man.

00:07:31: Auch dann wenn die Ratten schon fort sind.

00:07:35: Diese Geschichte gibt es auch zum Ausdrucken kostenlos auf emhema.de.

00:07:40: Dort gibt's auch die Bücher von Ritter Emil und Zauberer Henry Schlaf gut.

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